Das CommunityCamp 2015 in Berlin

Auch wenn fallendes Laub, vermehrter Regen und ein erhöhtes Aufkommen an schalumschlungenen Wintermänteln unmissverständlich anzeigt, dass sich das Jahr 2015 schon merklich auf der Zielgeraden befindet, so ist glücklicherweise immer noch etwas Platz im Jahreszyklus der Barcamps. So kam es dann auch, dass ich mich am letzten Oktoberwochenende dieses Jahres in Richtung Berlin aufmachte, um am CommunityCamp #ccb15 teilzunehmen.

Wenn man sich beruflich im Dunstkreis von Community Management und Social Media bewegt, wie ich das jetzt beispielsweise seit etwa zwei Jahren tue, merkt man recht schnell, dass sich stets viel verändert, neue Arbeitstechniken und Werkzeuge hinzukommen, und man eigentlich immer vor der Herausforderung steht, aktuelle Entwicklungen mit einem Auge im Blick zu behalten. Manchmal fühlt sich das ein wenig so an wie die Bändigung der nie versiegenden E-Mail-Flut, welche den meisten nur allzu vertraut sein dürfte.

Umso mehr freue ich mich darüber, wenigstens ein paar Mal im Jahr auf Barcamps ins Gespräch mit anderen Menschen aus ganz Deutschland zu kommen und mich auch einmal von Angesicht zu Angesicht austauschen zu können. Das Großartige an Veranstaltungen wie dem CommunityCamp ist ja, dass hier wirklich Expert*innen aus der Praxis zugegen sind und zu fast jedem erdenklichen Spezialthema spannende Vorträge und Diskussionen stattfinden. Meine Barcamp-Maxime lautet: zuhören, Fragen stellen, dazulernen.

Twitterchat als Format im Community Management

Was kann man tun, um als Unternehmen die eigene Brand Awareness zu steigern? Zum Beispiel regelmäßige Twitterchats durchführen. Das Team von Meltwater erläuterte in einer Session anschaulich, wie man als Unternehmen im Rahmen des Community Managements dieses Frage-Antwort-Format sinnvoll einsetzen kann, um gut strukturierte und messbare Umfragen auf Twitter durchzuführen. Unter dem Hashtag #marketinginsights veranstaltet Meltwater DACH wöchentlich einen solchen Live-Twitter-Chat.

Hasskommentare im Netz – Was tun?

Ein weiterer Themenbereich, der dieses Jahr mehrfach zur Sprache kam und mit Sicherheit besonders durch die deutsche Debatte um die Aufnahme von Geflüchteten befeuert wurde, war Hate Speech im Netz. Obwohl es den klassischen Internet-Troll bereits seit den Anfangszeiten des Internet gibt, ging mit dem Aufkommen der rechtspopulistischen PEGIDA-Bewegung, den selbsternannten “Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes”, die ja selbst als Netzphänomen in einer Facebook-Gruppe begannen, ein deutliches Anwachsen von menschenverachtenden Hasskommentaren in den sozialen Medien einher.

Unternehmen, die in den sozialen Medien präsent sind, aber auch Privatpersonen sehen sich in erhöhtem Maße mit ungebremster Agitation gegen Migrant*innen, religiöse oder sexuelle Minderheiten konfrontiert. Für das Community Management kristallisierte sich im Rahmen der Diskussion heraus, dass es eher einer Mischung verschiedener Sanktionsmechanismen bedarf, um dem Problem Herr zu werden. Von Gegenrede (‘counter speech’) bis zum graduellen Sperren von Nutzer*innenkonten reicht hier die Palette der Möglichkeiten. Bewegen sich Kommentare im strafrechtlich relevanten Bereich, etwa wenn konkret zur Gewalt gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen aufgerufen wird, besteht seitens der Plattformbetreiber*innen nach Kenntnisnahme die Pflicht zu handeln, und gegebenenfalls die Strafverfolgungsbehörden zu informieren.

Politische Bildung mit Social Media?

Wie politische Bildung mithilfe von Social Media funktionieren kann erklärte Sebastian Jabbusch in einem weiteren Vortrag. Ein Argument, das mir im Gedächtnis hängen blieb, und welches meiner Meinung nach nicht oft genug wiederholt werden kann, war, dass die Kommunikation den Regeln der jeweiligen Plattform folgen muss. Man mag ergänzen, dass dies im Zusammenspiel mit den Präferenzen der jeweiligen Zielgruppe betrachtet werden sollte. Ein konkretes Beispiel für eine Kampagne, die sich an Jugendliche richtete, setzte etwa verstärkt auf Infografiken anstatt langer Texte, um Interesse für politische Themen im Allgemeinen zu wecken. Alles in allem sollten Menschen und Geschichten im Mittelpunkt stehen, egal welche Plattform man zur Umsetzung nutzt.

Das hier ist selbstverständlich nur ein kleiner Ausschnitt eines sehr informativen Wochenendes im Oktober 2015 auf dem Community Camp Berlin. Ich habe mich insgesamt sehr über die gute Organisation, die vielen tollen Sessions und den freundlichen Austausch mit anderen aus den Bereichen Community Management und Social Media gefreut. Auch die diesjährigen Sponsoren waren klasse, denn unter anderem sorgten sie für das leibliche Wohl und damit für erstklassige Stimmung. Ohne diese kulinarische Grundlage wäre es ehrlich gesagt schwierig gewesen, die riesige Menge an Informationen während der zwei Tage aufzunehmen. Danke nochmal dafür!

Ich hoffe, dass ich es im nächsten Jahr wieder einrichten kann, zum Community Camp Berlin zu kommen. Ich würde mich freuen, einige von euch dort wiederzusehen.

Benedikt