Euro-Trash-Talk: Silvio Berlusconi, Contemporary Germany, And The Holocaust

Hitler
Hitler

Former Italian Prime Minister Silvio Berlusconi is a very colorful figure in European politics, to put it in the most friendly way possible. In fact, he is a convicted criminal, sentenced for tax fraud. But that is not my topic here.

Silvio’s assorted Nazi comparisons

Berlusconi has a record of inflammatory statements regarding contemporary Germany’s dealing with its Nazi past.

In 2003, Berlusconi addressed German social democratic MEP Martin Schulz, suggesting he might be a good fit for playing a concentration camp guard in a Holocaust movie.

Now, in the context of the 2014 elections for the European Parliament, Berlusconi claimed that “[for] the Germans, [. . .], concentration camps never existed.”

Mainstream contemporary Germany does not deny the Holocaust

This is of course factually wrong when talking about Germany in 2014—which Berlusconi did. And frankly, it is quite offensive to the majority of contemporary Germans who are not Holocaust deniers (including myself). If you should happen to be in Germany, just turn on a TV and you will notice that public television stations regularly broadcast documentaries about all kinds of aspects of Nazi Germany, including the Holocaust.

In case you did not know, Holocaust denial is also a punishable offence under German law.

Now there are actual valid debates about Germany’s dealings with its past and reasonable criticisms of phenomena like racism and antisemitism in contemporary Germany. There are, for instance, discussions about the ‘unburdening’ function the official national ‘culture of remembrance’ serves for the wider German society.

Berlusconi, apologist of Italian fascism

That being said, Silvio Berlusconi is neither a man interested in nor qualified to contribute to those debates. As a chief apologist for Italian fascism—his convenient narrative claiming that ‘good’ Italian fascists were merely misled by Hitler and the German Nazis—Berlusconi discredits himself from the get-go.

This is a cheap provocation, a misrepresentation of history, and a vulgar spewing of bile by perhaps the most pompuous political clown of Europe.

What repulses me especially is that Berlusconi is not above exploiting this most serious issue for cheap political points. I think the political culture of Italy and Europe would improve if he did us all a favor and moved on into retirement.

 

A New Book About Jewish Identity In Contemporary Germany

A new book about Jewish identity in contemporary Germany

I just came across an interesting article in the Atlantic about Jewish identity in contemporary Germany and how today’s young generations in Germany relate to the Holocaust. In his new book, author Yasha Mounk’s puts forth the theory “that people understand themselves and others through their genetic ties to history’s victims and oppressors.”

Read more:

Are Today’s Germans Morally Responsible for the Holocaust?” (Emma Green, The Atlantic, 2014/01/22)

Idiotische Selfies: Holocaust-Gedenkstätten-Sonderausgabe

Idiotische Selfies: Holocaust-Gedenkstätten-Sonderausgabe

Allgegenwärtige, triviale Social-Media-Fotografie

Es ist ja bereits viel darüber geschrieben worden, wie die Techniken der Social-Media-Fotografie mithilfe des Smartphones optischen Müll produzieren können, Triviales emporheben und mit Banalitäten Aufmerksamkeit erhaschen wollen.

Die perfekte Verkörperung dieser Erscheinung ist der Selfie, das mit dem eigenen Smartphone aufgenommene Selbstportrait für die Darstellung in sozialen Netzwerken.

Jung und naiv, bewaffnet mit Technologie

Um eines vorweg zu stellen: Wir waren alle mal jung und dumm, ich ganz explizit eingeschlossen. Nur gab es, als ich vierzehn Jahre alt war, noch keine Smartphones mit guten Kameras. Das Selfie war noch Lichtjahre entfernt. Vielleicht ist das mein Glück, wer weiß. Heute wird alles fotografiert und landet, angereichert mit hippen Retro-Filtern und garniert mit Hashtags, auf Facebook, Instagram und Konsorten.

Soweit, so normal. Ich bin weder gegen Technologie noch gegen jugendlichen Leichtsinn. Den Mantel des spießigen Mecker-Opas will ich mit beileibe noch nicht umhängen. Aber: Nicht alles ist lustig. Nicht alles eignet sich als gedankenlose Kulisse für die spaßige,  egoistische Selbstinszenierung. Zum Beispiel Holocaust-Gedenkstätten.

Ignoranz, Respektlosigkeit, und grenzenlose Selbstbezogenheit

Das VICE Deutschland hat gerade einen Artikel mit Fotostrecke veröffentlicht, der Instagram-Fotos mit jugendlichen Besucher*innen des Holocaust-Mahnmals in Berlin und in verschiedenen Konzentrationslagern zeigt. Auf den meisten Bildern sind sorglos lachende Jugendliche zu sehen, die sich teilweise für die Bilder in Pose werfen. Die Bilder sind oft mit Vintage-Filtern bearbeitet und mit allerlei Hashtags versehen.

#YOLOcaust und #Instacaust – Idiotische und taktlose Hashtags

Eine kleine Auswahl von Hashtag-Kombinationen auf den Bildern aus dem VICE-Artikel:

  • #Auschwitz #chillywilly [Erklärung laut urbandictionary.com: “Chilly Willy: To injest alcohol through the nose via snorting, in order to get the alochol into your system quicker. Often done out of the concave bottom of a shot glass. That chilly willy was fun huh? wait…get up, why are you passed out?“] – Saufen in Auschwitz.
  • #Buchenwald #KZ #Hipster #abgehen – Typ macht ein Kissyface vor dem Spiegel.
  • #Treblinka #Arbeitmachtfrei #Treblinka #ZyklonB #feelgood – Welche Gründe kann es geben, um sich bei dem Thema gut zu fühlen?
  • #Dachau #mensfashion #fresh #dope – Genau, beim Besuch eines Konzentrationslagers geht es darum, wie schick Du in deinen Klamotten aussiehst.
  • #Holocaustmemorial #Berlin #fun #goodtimes – Für dich vielleicht, aber nicht für 6 Millionen ermordete Juden und Jüdinnen.
  • #Holocaustmemorial #Berlin #chelseaboots – Genau, es geht um deine heißen Stiefel.
  • #Treblinka #Swag – Alles dreht sich um dein tolles Outfit.
  • #instacaust – Ohne Worte.
  • #Holocaustmemorial #Interrailing – Züge und Konzentrationslager: War da nicht etwas?
  • #Dachau #crazy #Germans – Eine leichte Untertreibung, könnte man denken.
  • #Berlin #Yolocaust – Ohne Worte.
  • #Dachau #perfect #country – Ohne Worte.
  • #Berlin #Holocaustmahnmahl #bisschentouripipapo – Ohne Worte.
  • #Sachsenhausen #hungry and #cold – Mädels im Urlaub können sich später noch in einem schicken Café aufwärmen und etwas essen—KZ-Häftlinge konnten das nicht.
  • #Buchenwald #KZ #girls #bestes #wetter – Schönes Wetter, gut für euch! Kommentare unter dem Foto: “wenn das die juden wüssten :p“ – „die gibts nicht mehr :p”
  • #Holocaustmahnmal #hot #boy #nice – Wie schön, dass du dich locker in Szene setzen kannst—sechs Millionen Juden können das nicht.
  • #terezin [Theresienstadt] #fascism #follow4follow – Ohne Worte.

Was tun gegen den #YOLOcaust?

Wer ist schuld? Ich gebe den Jugendlichen für Ihre Ahnungslosigkeit nur eine Teilschuld. Zwar wachsen sie heute in einer Welt auf, die ihnen wie keiner Generation zuvor eine derartige Masse an Informationen bietet. Andererseits habe ich mich selbst mit vierzehn Jahren ehrlich gesagt kein Stück für Geschichte interessiert. Das kam alles etwas später. Aber liebe Eltern, Lehrer*innen, Reiseveranstalter*innen—Bitte klärt sie besser auf.

Ich brauche wohl nicht noch einmal betonen, wie furchtbar ich diese erschreckend naiven und geschmacklosen Instagram-Postings finde. Wenn man sich wenigstens ein bisschen mit der NS-Geschichte beschäftigen würde, käme man vielleicht von selbst auf die Idee, so etwas zu unterlassen.

Ich denke, dieser Umgang mit dem Holocaust macht deutlich, dass weiterhin eine Notwendigkeit besteht, über die NS-Geschichte aufzuklären und historisches Wissen weiterzugeben.

Die Jugendlichen auf den Fotos sind mit Sicherheit nicht alle nur aus Deutschland. Insofern gilt der Appell, bessere Geschichtsbildung zu fördern, über die Grenzen der BRD hinaus.

Aber wir hier in Deutschland sollten dennoch alles tun, damit solche Gedankenlosigkeit im Umgang mit der Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen durch die Deutschen im Dritten Reich sich nicht weiter ausbreitet.

Mehr lesen:

Hashtags, die du für dein Holocaust-Gedenkstätten-Selfie nicht verwenden solltest.” (Hektor Brehl, VICE Deutschland, 20.11.2013)