Meine Eindrücke vom Barcamp Kiel 2014

Barcamp Kiel 2014

Barcamp Kiel 2014 #bcki14

Am vergangenen Wochenende fand in Kiel zum fünften Mal ein Barcamp rund um das Internet statt und ich war als Neu-Kieler zum ersten Mal mit von der Partie.

Kaum angekommen, wurde ich mit einem schicken T-Shirt und diversen (Mac-lastigen) Fachzeitschriften versorgt. Ein Frühstücksbuffet mit ausreichend Kaffee war auch gedeckt, für eine gute Grundlage wurde also bestens gesorgt. Und es gab eine schicke große Social Wall von walls.io.

Was so auf Twitter los war kann man auch hier bestaunen.

Was mir gleich aufgefallen ist: Der Männeranteil unter den Besucher*innen überwog deutlich. Aber immerhin war es keine reine Männerveranstaltung. Da ist nach oben noch Luft!

Was die Sessions betrifft, hatte ich mir vorgenommen, eine Mischung aus Sessions zu Themen, mit denen ich mich noch nicht so sehr auseinandergesetzt habe und solchen, die mir einigermaßen vertraut sind zu wählen.

Freelancing, wie geht das?

Da war zum Beispiel die Session von @geregeltkrieger und @moeglichewelten zum Thema “Richtig arbeiten als Freelancer”. Als jemand, der noch nicht freischaffend tätig war, klang so Einiges erst einmal etwas beängstigend. Aber es gab viele gute Tipps, zuvorderst “sei berechenbar” und “go at a sustainable pace”. Sollte ich mich mal selbständig machen, werde ich diesen Vortrag beherzigen.

Podcasting, das (un-)bekannte Wesen

Als Hörer bin ich seit längerer Zeit ein Fan des Mediums Podcast, aber die Produktionsseite hatte ich bisher noch nicht so richtig kennengelernt.

Bei der Session zum Thema Podcasting von uisprech.de und fotophonie.de habe ich gelernt, dass man heute mit verhältnismäßig geringem finanziellen Aufwand technisch gute Qualität produzieren kann. Aber natürlich zählen Inhalte. Um die vernünftig zu gliedern kann man in einem Texteditor der Wahl oder in einem Online-Tool wie Evernote eine Struktur anlegen und zum Beispiel Interviewfragen vor der Sendung mit Interviewpartner*innen teilen. Auch für die sehr beliebten Shownotes ist das nützlich. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind die Themen Branding und Hosting. Das Logo des Podcasts sollte auch in klein gut erkennbar sein und man muss sich bei Erfolg schnell über Datenvolumen Gedanken machen.

Linktipps:

Technik:

Der Lautsprecher – Tim Pritloves Podcast über Podcasting

Ultraschall – Die Wikigeeks mit einem Videocast zum Thema Podcasting

Reaper – Digitale Audio-Workstation zur Podcastproduktion

auphonic – Audio Postproduction Webservice

Podlove – “an initiative by Metaebene Personal Media to improve the overall technical infrastructure for podcasting.”

podseed.org – “Content Delivery Network für Podcaster, das darauf optimiert ist, Mediendateien aus Podcasts schnell und zuverlässig auszuliefern.”

WordPress-Plugin shareadraft – “Let your friends preview one of your drafts, without giving them permissions to edit posts in your blog”

Sonstiges:

Kiel Hack – Hackathon in Kiel vom 05.-07. September 2014

fotophonie.de – “DER deutschsprachige Podcast über Fotografie, Fototechnik, Kamerasysteme und den Kameramarkt.”

uisprech.de – Deutschsprachiger Podcast zum Thema iOS-Entwicklung

Facebook nervt, aber gibt es Alternativen?

Zwei weitere Sessions beschäftigten sich mit dem derzeit größten sozialen Netzwerk Facebook. Wenn man aktuelle Studien verfolgt, ist der Trend zur Abwanderung besonders der jüngeren Nutzer*innen zu YouTube, Instagram oder WhatsApp schon länger festzustellen. Aber auch viele ältere Internetnutzer*innen sind mittlerweile genervt. Das war das Thema einer Session. Warum das so ist? Werbung, der sich ständig ändernde Facebook-Algorithmus, der wohlmeinend Inhalte im Stream verbirgt, notorisches Oversharing von ‘Freund*innen’ oder auch Datenschutzbedenken.

Die zweite Session beschäftigte sich mit dem sozialen Netzwerk friendica.com, das gleichzeitig eine Alternative und keine Alternative zu Facebook ist. In Kurzform: Auf absehbare Zeit ist nicht zu erwarten, dass das Netzwerk die kritische Masse erreicht, bei der komplette Freundeskreise, geschweige denn Millionen von Leuten die Plattform wechseln, wie etwa vor langer, langer Zeit von studivz zu Facebook.

Als Nischennetzwerk für technisch interessierte Nutzer*innen kann friendica aber interessant sein–man denke an ein internes ‘Facebook’. Friendica ist dezentral, hat gute Verschlüsselung und man kann seine Account-Daten herunterladen und an anderer Stelle hochladen (!). Eigentlich eine tolle Idee, um sich mit der Hand voll richtiger Freund*innen zu vernetzen, im Gegensatz zu hunderten Facebook-Freund*innen. Fazit: Für die Masse der Nutzer*innen ist friendica derzeit keine Alternative zu Facebook.

Nächster Halt: Das Stadt-Wiki Kiel-Wiki

Warum machen Städte eine ‘eigene Wikipedia’? Zum Beispiel weil die Wikipedia nicht jeden Artikel zu einer Straße in jeder Stadt für relevant hält. In einem Stadt-Wiki geht das aber und ist explizit gewünscht. Das relativ junge Projekt Kiel-Wiki hat sich zum Ziel gesetzt, umfassende Informationen zur Stadt zusammenzutragen. Dabei wird auch auf Bestehendes in der Wikipedia zurückgegriffen und darauf aufgebaut. Auch gibt es mittlerweile Kooperationen mit der Lokalpresse in Form von gegenseitigen Verlinkungen. Als kleineres Schwesterprojekt schreitet die Entwicklung natürlich nicht so schnell voran wie in der großen Wikipedia, aber ich finde, es ist ein tolles Beispiel für ein lokal verankertes Projekt.

Wie informiere ich mich über Landespolitik?

Es gab noch eine weitere Session, die sich lokal-regional mit der Stadt Kiel und dem Bundesland Schleswig-Holstein beschäftigte. Steffen Voß (SPD) @kaffeeringe und Uli König (Piraten) @u98 gaben nützliche Tipps, wie man als Bürger*in in Schleswig-Holstein online Informationen zur Landespolitik in Erfahrung bringen kann. Hier sind einige der genannten Links:

Landtag Schleswig-Holstein

Parla TV – überträgt die Plenarsitzungen des Schleswig-Holsteinischen Landtages

Parla Radio – überträgt Ausschusssitzungen des Schleswig-Holsteinischen Landtages

Plenum Online – Zeitplan des Schleswig-Holsteinischen Landtages

sh.juris.de – Landesvorschriften und Landesrechtsprechung

Kassensturz Schleswig-Holstein (Piraten) – Visualisierung des Landeshaushalts

Zuletzt wurde es für mich noch etwas technischer und nerdiger.

Raspberry Pi

In der Session zum Raspberry Pi ging es um interessante und mehr oder weniger nützliche Projekte, die man so mit dem preiswerten Mini-Computer anrichten kann. Von der Steuerung von Funksteckdosen für den heimischen Drucker bishin zum Tracken von Flugzeugen war alles dabei. Das ist doch vielleicht mal etwas für die kalten Herbsttage.

Linktipps:

raspberrypi.org – Die offizielle Website des Raspi

forum-raspberrypi.de – Das deutschsprachige Raspi-Forum

lets get nerdy – Einige Tutorials zum Raspberry Pi

Freifunk

Zuletzt war ich noch bei den Kieler Freifunkern vom Toppoint e.V. Die bauen in und um Kiel ein alternatives Funknetzwerk mit Zugang zum Internet auf. Mal schauen, vielleicht stelle ich mir demnächst auch mal so einen Router hin.

Schönes Barcamp, wir sehen uns im nächsten Jahr wieder!

Insgesamt hat es mir sehr gut auf dem diesjährigen #bcki14 gefallen. Die Stimmung war freundlich und die Organisation super. Vielleicht traue ich mich ja im nächsten Jahr, auch eine Session zu halten. Ein Thema muss ich mir noch überlegen.